Projekte

Berufsschule > Allgemeinbildende Fächer > Politik und Gesellschaft > Projekte

Europatag 2017

Die Zukunft Europas

Europatag mit Dr. Ingo Friedrich –Vizepräsident des Europäischen Parlaments a. D.

„ Nur ein guter Deutscher kann ein guter Europäer sein und nur ein guter Franzose kann ein guter Europäer sein“ mit diesen Worten zitierte der ehemalige Europaabgeordnete Dr. Ingo Friedrich seinen langjährigen Kollegen Otto von Habsburg und den künftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Viele Herausforderungen der Zukunft können auf nationalem Wege nicht bewältigt werden. Was nützt es, wenn Deutschland alle Atomkraftwerke abbaut, aber gleichzeitig neue Meiler in Frankreich und Tschechien gebaut werden? Auch die Geheimdienste können nur erfolgreich sein, wenn sie sich noch besser vernetzen. Natürlich sind die deutschen Inflationsängste bedingt durch die Geschichte anders gelagert als in anderen Staaten der EU. Aber wir brauchen Gremien, die in der Lage sind Kompromisse zu finden, die allen dienen. Der moralische und materielle Aufstieg Deutschlands seit dem zweiten Weltkrieg wäre jedenfalls ohne die Europäische Union undenkbar. Als Land mit den meisten Nachbarn in Europa haben wir rundum keine Feinde mehr. Dass er in seinem Leben noch nie einen Krieg erleben musste, hatte auch schon der stellvertretende Landrat Reinhold Bittner in seinem Grußwort als größtes Verdienst der EU hervorgehoben.

Den größten Teil der Veranstaltung prägten die Schüler, die zuvor schon eine selbst erstellte Ausstellung zum Thema „Europäische Union“ in der Aula aufgebaut hatten, mit Ihren Fragen. Zur Flüchtlingsfrage vertrat Dr. Friedrich die Auffassung, dass Europa zwar die Flüchtlinge im Mittelmeer retten müsse, aber danach in Lager nach Nordafrika bringen müsse. Wegen Vetternwirtschaft und Korruption erwartet er für die meisten Staaten in Afrika keine schnellen Fortschritte. Die Niedrigzinspolitik dürfte noch einige Jahre anhalten und die EZB wird voraussichtlich erst nach spürbaren Zinsanhebungen in den USA nachziehen. Wie viele Länder sind momentan noch an der Einführung des Euro interessiert? Dr. Friedrich könnte sich das eventuell für Polen vorstellen, wo die wirtschaftliche Entwicklung positiv sei. Nachdem Dr. Friedrich schon zu Beginn das duale Ausbildungssystem als wesentlichen Faktor dafür genannt hatte, dass Deutschland den höchsten Leistungsbilanzüberschuss weltweit hat, wollten die Schüler wissen, weshalb dieses System nicht z.B. in Spanien mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit eingeführt würde. Dr. Friedrich verwies auf das Fehlen von Finanzen, qualifizierten Lehrern und mangelnde Bereitschaft der Betriebe. Von Präsident Donald Trump hat er den Eindruck, dass er in der komplizierten politischen Realität langsam ankommt. Zu den Sanktionen gegen Russland sieht er momentan keine Alternative, vertrat aber die für viele überraschende Ansicht, dass Wladimir Putin durch geschicktes Verhandeln gemäß dem Helsinkiabkommen die Krim ohne Annexion hätte für Russland gewinnen können. Bezüglich der Türkei äußerte er ebenso großen Respekt gegenüber den Protesten der Zivilgesellschaft wie Unverständnis für den Wandel des in den ersten Amtsjahren sehr erfolgreichen Präsidenten Recip Tayyip Erdogan. Abschließend betonte Dr. Friedrich, dass wie es schon in der Bibel steht nicht der breite bequeme Weg sondern oft der enge unbequeme Weg in eine gute Zukunft führt und lobte Gerhard Schröder für die Agenda 2010 ebenso wie die Väter des Euro.

Der Fachbetreuer für Sozialkunde Rolf Eckhardt bedankte sich bei Dr. Ingo Friedrich für seine temperamentvollen und ehrlichen Ausführungen und beim Kreisvorsitzenden der Europaunion Karl Eigen für die Vermittlung des Referenten.

Rolf Eckhardt

Weimarer Kulturexpress

„Fremde Heimat“ – Ein Paar kämpft gegen Vorurteile

Weimar Kultur-Express zu Gast in der Aula der Berufschule

In dem Zwei-Personen-Stück „Fremde Heimat“ schlüpfen die hervorragenden Darsteller Janning Sobotta und Kristin Hörmann in viele Rollen. Sie spielen Daniel, einen Flüchtling aus Syrien und Marie, die in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Sie stellen aber auch Eltern und Großeltern dar und Szenarien aus Daniels Leben im Kugelhagel in der Heimat. Als Paar müssen sie ihre Beziehung immer wieder gegen Dritte verteidigen und kämpfen gemeinsam gegen Vorurteile und Ängste an. In einer Parallelhandlung erzählt Janning Sobotta als Daniel, wie er über die Türkei, Griechenland, Kroatien und Ungarn nach München kam, während Kristin Hörmann als Oma von Marie die Flucht aus Ostpreußen über Kopenhagen, zweieinhalb Jahre Militärlager und schließlich 1947 die Ankunft in Deutschland schildert. „Wir heutigen Deutschen haben Glück, dass wir hier geboren sind“ resümiert Marie.

Mit dem Theaterstück „Fremde Heimat“ spricht der Weimarer Kultur-Express sowohl ernsthaft wir humorvoll das Einfühlungsvermögen in die Lebensgeschichte eines jungen Ausländers an. Die Geschichte um das Umfeld von Marie steht ebenso für die Ängste und Vorurteile der Einheimischen, die ernst genommen und abgebaut werden, wie für die Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

In der anschließenden Diskussion mit den Schauspielern kamen auch die Schüler zu Wort. Auf die Frage, ob denn die Handlung des Stücks realistisch sei wandte ein Schüler aus Syrien ein: „ Ein Jugendlicher aus Syrien würde niemals, wie im Stück geschehen, seine Mutter anschreien.“ Abschließend bedankte sich Studiendirektor Rolf Eckhardt bei den Schauspielern und den aufmerksamen Schülern aus sieben Klassen.

Rolf Eckhardt

Planspiel EU-Ministerrat

Schüler tagen in simulierten Sitzungen des EU-Ministerrates

Referenten: Dozenten der Europäischen Akademie Bayern e.V.

Was tun, wenn sich Flüchtlinge aus Afrika auf den Weg nach Europa machen? An einem etwas anderen Schultag konnten wir, die Schülerinnen und Schüler der Klassen WBA 12A und 12B, viel Wissenswertes über die Europäische Union und ihr politisches Wirken erfahren. In der Rolle der verschiedenen Länder des Europäischen Ministerrates galt es, eine diplomatische gemeinsame Lösung für die aktuelle Flüchtlingsproblematik zu finden. Dabei hatte sowohl jede Landesvertretung ihre eigenen Interessen im Blick, war aber dennoch immer bereit das Gesamtwohl der EU im Auge zu behalten.

Zwei Referenten von der Europäischen Akademie Bayern e.V. gaben uns interessante Einblicke in die Grundlagen Europäischer Institutionen: dem Europäische Parlament, dem EU-Ministerrat und der Europäische Kommission.

Anschließend befassten wir uns mit der aktuellen Flüchtlingssituation und konnten hierbei vieles, was wir bruchstückhaft über die Zeitung erfahren hatten, durch Hintergrundwissen und aktuelle Zahlen in einen Gesamtzusammenhang einordnen. Hierbei stellte sich sehr schnell heraus, dass die Lösung dieses Problems nicht einfach sein wird, man aber an zwei unterschiedlichen Hebeln ansetzen könnte: zum einen die bessere Versorgung der Menschen in ihrer Heimat und zum anderen die gerechte Verteilung der hier angekommenen Flüchtlinge auf die Länder Europas.

In einem Planspiel wurde dann eine Sitzung des Ministerrates nachgestellt, in der wir die Rolle der Außenminister der verschiedenen Euro-Länder übernahmen. Dabei bildeten jeweils zwei Schüler ein Team, um ihr Land bestmöglichst mit seinen Interessen und Möglichkeiten in der derzeit politischen und wirtschaftlichen Lage zu repräsentieren. Jedes Team erhielt zu seinem Land verschiedene Unterlagen: Infomaterial zur wirtschaftlichen Lage, aktuelle Probleme, Zahlen und Fakten und auch Vergleichswerte im Hinblick auf die anderen EU-Länder. Dieses Hintergrundwissen war ausschlaggebend für die darauf folgende Diskussion im Ministerrat. Ziel dieser Sitzung war, zum einen die Finanzierung der Aufnahme und zum anderen einen gerechten Verteilungsschlüssel für die Zuteilung der Flüchtlinge zu finden. Nachdem jede Ländergruppe ihre Stellung aufgezeigt hatte, in der darauf folgenden Diskussion dann heftig verhandelt wurde, wer, warum welchen Beitrag zu leisten hätte, schafften wir es letztendlich doch einen Beschluss zu fassen, mit dem alle zufrieden waren.

Die moderierte Gruppendiskussion brachte uns viele neue Erfahrungen. In der Simulation bekamen wir mit, wie Politiker in einer Sitzung miteinander umgehen und uns wurde bewusst, wie wichtig es ist richtig und stichhaltig zu argumentieren. Auch konnten wir einmal über unseren Tellerrand hinausschauen und haben einiges über die Probleme der anderen EU-Staaten erfahren. Dadurch haben wir ein Gefühl dafür bekommen, warum ist es oft schwierig ist, vor dem Hintergrund der eigenen Situation, einen Kompromiss zu finden.

Am Ende eines spannenden Nachmittages waren wir uns einig, dass jeder viel Wissenswertes aus dem Planspiel mitnehmen konnte.

Bankklassen 12a und 12b

Europatag 2016

Europaabgeordnete im Gespräch mit Schülern der Ludwig-Bölkow-Schule

MdEP Barbara Lochbihler zu Gast am Europatag

Am 9. Mai 2016 konnte Oberstudiendirektor Winfried Schiffelholz die außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament und Vizepräsidentin des EP-Menschenrechtsausschusses Barbara Lochbihler in der Aula der Ludwig-Bölkow-Schule begrüßen. Sie diskutierte mit ca. 130 Schülerinnen und Schülern über aktuelle Fragen der europäischen Politik.

In Ihrer kurzen Einführung zitierte Barbara Lochbihler die EU-Außenbeauftragte Mogherini: “the risk to fail is real!” Europa werde in den Medien hauptsächlich durch Krisenberichte über die Währungskrise, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Mitgliedstaaten, das offen unsolidarische Verhalten vieler Staaten in der Flüchtlingskrise oder das bevorstehende Referendum zum Brexit wahrgenommen. Bezüglich der Flüchtlingsfrage erinnerte sie an die Rede von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Europäischen Parlament mit dem Zitat „Wir Europäer waren alle zu einem gewissen Zeitpunkt Flüchtlinge. Unsere Geschichte ist geprägt davon, dass unsere Vorfahren flüchten mussten.”

Den größten Teil der Veranstaltung prägten die Schüler, die zuvor schon eine selbst erstellte Ausstellung zum Thema Europäische Union in der Aula aufgebaut hatten, mit Ihren Fragen.

Welche Folgen hätte eine komplette Schließung der Grenzen? „ In jedem Land hätte dies wirtschaftliche Einbußen zur Folge“ antwortete die Abgeordnete und nannte unter anderem den Tourismus in Österreich und die hohe Exportquote gerade kleiner und mittlerer deutscher Unternehmen als Beispiele. Warum gibt es keine „Vereinigten Staaten von Europa“? Das positive föderale System der Bundesrepublik Deutschland müsste doch auf ganz Europa übertragen werden, forderte der nächste Schüler. Barbara Lochbihler steht der Idee, mehr nationale Verantwortung an die EU abzugeben positiv gegenüber. Sie gab aber zu Bedenken, dass derzeit einzelne Länder wie Ungarn nationales Recht über EU-Recht stellen. Werden denn die Flüchtlinge unsere Wirtschaft ankurbeln? „Flüchtlinge aus Syrien haben durchschnittlich acht Jahre die Schule besucht“, antwortete Frau Lochbihler. Entscheidend sei aber, dass die Migranten schnell die deutsche Sprache lernten. Hier sieht sie auch die Wirtschaft wie etwa den BDI in der Verantwortung. Die Frage „Was war bisher ihr persönlich größter Erfolg in Straßburg?“ beantwortete die Abgeordnete mit ihrem Engagement im Menschenrechtsausschuss, wo leider derzeit auch immer mehr Beschwerden der Vereinten Nationen über die Flüchtlingspolitik der EU zu bearbeiten sind.

Ehe sich Frau Lochbihler auf den Weg zur Plenarsitzung nach Straßburg machte, ermutigte sie die Schülerinnen und Schüler die speziell an sie gerichteten Angebote der EU wie das Erasmus Plus-Programm rege zu nutzen und lud dazu ein, das Parlament in Straßburg auf einer Klassenfahrt zu besuchen. Fachbetreuer Rolf Eckhardt bedankte sich bei Frau Lochbihler und erinnerte an die Worte von Papst Franziskus anlässlich der Verleihung des Karlspreises, dass die Jugend Protagonist des Traums von einem humanistischen Europa als Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit sein müsse.

Rolf Eckhardt

Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis Donau-Ries

Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis Donau-Ries

Der Büroleiter des Landrates und Koordinator des 100-köpfigen Asylstabes im Landratsamt Donau-Ries, Herr Achim Frank, gab am 2. Mai 2016 einen Sachstandsbericht (Stand: 12/2015) zur Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen im Landkreis Donau-Ries im Rahmen der Sozialkundekonferenz ab.

Verteilung der Asylbewerber

Herr Frank wies darauf hin, dass die meisten Asylbewerber, die nach Deutschland kommen, aus Syrien oder Afghanistan stammen. Die Thematik „Asylbewerber und Flüchtlinge“ sei allerdings keine neue für den Landkreis, sondern die Brisanz, Tragweite und gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Thematik sind neu. Verteilt werden die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge nach dem „Königsteiner Schlüssel“, der auch die wirtschaftliche Situation von Bundesländern, Landkreisen und Kommunen zu berücksichtigen versucht (Bayern: ca. 15% v.H.; Schwaben: ca. 14,5% v.H.; Landkreis Donau-Ries: ca. 7,1% v.H.). Untergebracht werden die Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften (bereitgestellt durch die Regierung von Schwaben), in dezentralen Unterkünften (durch den Landkreis Donau-Ries) oder in Notunterkünften (durch den Landkreis Donau-Ries).

Ablaufschema Asylantragsverfahren

Der Referent schilderte kurz den Ablauf eines Asylantragsverfahrens:

1. Meldung als Asylbewerber

2. Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer („Königsteiner Schlüssel“)

3.Meldung in zuständiger Aufnahmeeinrichtung durch Asylbewerber (in Bayern: Deggendorf, München, Schweinfurt, Zirndorf)

4.Antragstellung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durch Asylbewerber

5. Anhörung des Asylbewerbers

6.Entscheidung durch Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

a. Bleiberecht (i.d.R. für 3 Jahre) oder

b. Ablehnung des Antrages (Freiwillige Ausreise oder Abschiebung)

Arbeitserlaubnis für Asylbewerber und Flüchtlinge

Herr Frank verwies darauf, dass bzgl. der Thematik „Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge und Asylbewerber“ in der Gesellschaft große Missverständnisse und Unklarheiten bestehen. Grundsätzlich erhalten Asylbewerber drei Monate nach Asylantragstellung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis. Hier gilt die sogenannte „Nachrangigkeitsprüfung“: Ein Asylbewerber erhält eine (Ausbildungs-)Stelle nur, falls kein Deutscher, EU-Ausländer oder sonstiger Angehöriger eines Drittstaates für diese Stelle gefunden wurde. Gemeinnützige Arbeiten dürfen allerdings unabhängig von dieser Regelung ausgeführt werden (max. 20h/Woche; Lohn: 1,05€/h). Hier erfolgt eine Prüfung durch das Landratsamt, um die Asylbewerber und Flüchtlinge auch vor Ausnutzung zu schützen.

Leistungen für Asylbewerber und Flüchtlinge

Der Referent klärte die Teilnehmer der Konferenz über die Zusammensetzung der Leistungen für Asylbewerber und Flüchtlinge auf. Der Gesamtbetrag in Höhe von 317,- € monatlich, der diesen ab ihrer Ankunft in Deutschland zusteht, wird ihnen bar ausbezahlt (bei längerem Aufenthalt auch Kontoeröffnung möglich) und setzt sich folgendermaßen zusammen:

1. Existenzminimum 135,00 €

2. Nahrungsmittel 141,85 €

3. Bekleidung 33,57 €

4. Sonstiges 7,19 €

Nicht enthalten sind darin die Kosten für Miete und Nebenkosten in Unterkünften sowie Kosten für Verwaltungsmitarbeiter, Bereitstellung der Unterkünfte, Security, Catering, Brandschutz und sonstige Kosten, die im Rahmen der gesamten Asyl-Thematik anfallen.

Betreuung der Asylbewerber und Flüchtlinge

Abschließend berichtete Herr Frank kurz über die personelle Betreuung der Asylbewerber durch das Landratsamt Donau-Ries (für dezentrale Unterkünfte). Hierfür wurde das Team „Migration/Asylbewertung“ eingerichtet, das von einem Migrations-/Ehrenamtsbeauftragten sowie sieben Quartiersmanagern/-managerinnen unterstützt wird.

Auch eine Asylsozialberatung wurde ins Leben gerufen, die durch die Diakonie und Caritas unterstützt wird und Anlaufstelle für Beratung in allen sozialen Belangen ist.

Wichtig ist vor allem auch ein breites Angebot an Sprachkursen, das durch den Freistaat Bayern (finanzielle Mittel für Bildungsträger wie BfZ, Dekra, usw.), die Bundesagentur für Arbeit (auch Sprachkurse vor Anerkennung/Ablehnung) und die vielen ehrenamtlichen Helfer/innen bereitgestellt wird.

Rolf Eckhardt

Die weiße Rose

Die letzte Stunde im Leben der Geschwister Scholl

Der Weimer Kulturexpress gastierte an der Ludwig-Bölkow-Schule

„Jemand musste anfangen, etwas zu tun. Denn wer tatenlos zusieht, macht sich mitschuldig.“ Aus dieser Überzeugung heraus verfasste Hans Scholl zunächst mit Alexander Schmorell und ab 1943 auch mit seiner Schwester Sophie und Christoph Probst zunächst fünf Flugblätter, die über die Grausamkeiten an der Front und über die Massenmorde an Juden und Polen berichteten und zum passiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufriefen. Bei der Verteilung des sechsten Flugblattes, das Professor Kurt Huber verfasst hatte, wurden Sophie und Hans Scholl im Lichthof der Universität München verhaftet. Mit dieser Szene beginnt das Stück von Patric Travanti, indem Sonja Elisabeth Martens (Sophie) und Simon Weiskopf (Hans) die Geschwister Scholl ausdrucksstark verkörperten.

In der Todeszelle dürfen Sophie und Hans Abschied voneinander nehmen. „Die Weiße Rose“ ist kein Dokumentardrama, das Fakten, Daten und Zitate aneinanderreiht, sondern lässt die Gedanken und Gefühle wieder Gestalt gewinnen, die die Geschwister und ihre Freunde zum Widerstand veranlassten.

„Die Gedanken sind frei“ zitiert Sophie Scholl ein altes deutsches Volkslied. Hans schreibt das Goethewort „allen Gewalten zum Trutz“ an die Wand der Todeszelle. Während sich in der Retrospektive Sophie an fröhliche, unbeschwerte Ausflüge in die Natur erinnert und an Ihren Verlobten Fritz, berichtet Hans unter anderem von der Fröhlichkeit und Gastfreundschaft, die er als Soldat von der russischen Bevölkerung erfuhr oder von seinem Sinneswandel als Fähnleinführer bei der Hitlerjugend. Als der Todeszeitpunkt naht, macht sich Hans Vorwürfe, Sophie mit in den Widerstand hineingezogen zu haben. Aber Sophie beruhigt ihn: „ Ich sterbe ohne Hass. Nie hätte ich gedacht, dass es so leicht ist zu sterben. Vielleicht geht’s besser, weil es einen Sinn hat?“

Trotz einfacher Kulisse und weniger Requisiten gelang es den Schauspielern dank herausragender Darstellung fast andächtige Ergriffenheit bei den ca. 150 zuschauenden Schülern zu erzeugen. In der anschließenden Diskussion beantworteten die beiden Darsteller Fragen aus dem Publikum ( „Ja, die Eltern und zwei Schwestern von Hans und Sophie kamen tatsächlich in Sippenhaft“ ; Parallelen zu Verhalten gegenüber Pegida-Demonstranten).

Die Vorstellung wurde vom Förderverein der Ludwig-Bölkow-Schule bezuschusst. Der Fachbetreuer für Sozialkunde, Rolf Eckhardt, bedankte sich beim Ensemble für die überzeugende Vorstellung und appellierte an die Schüler, sich ebenso gewaltfrei wie die Geschwister Scholl für die Freiheit des Andersdenkenden einzusetzen.

Rolf Eckhardt